kinzig – fulda

Anlass der Tour war ein Treffen mit ehemaligen Kommilitonen in Kassel und geplant war eine Viereinhalbtagetour mit Start am Rheinorange in Duisburg. Aufgrund gewisser terminlicher Zwänge wurde daraus in der Planung eine Zweieinhalbtagetour mit Start in Gelnhausen, daher der Titel. Im Radreisewiki gibts doch tatsächlich in Südwest-Nordost-Richtung eine Lücke zwischen Vulkanradweg und Sinntal – Streutal; die werde ich ein bisschen füllen. Die Hanauer mögen mirs verzeihen, aber die Umgebung ist nicht so prickelnd und deshalb bin ich mit dem Zug nach Gelnhausen. Die Anschlüsse haben sogar geklappt am frühen Morgen, so dass ich gegen halb neun bei sonnig warmem Wetter starten konnte.

Bis Fulda bin ich dem Hessischen Fernradweg R3 gefolgt, das heißt, durchs Kinzigtal, was wiederum heißt, oft entlang oder in der Nähe der Bahnstrecke Frankfurt–Fulda; die A66 ist meist nicht so nah.

Zwischen Bad Soden – Salmünster und Steinau an der Straße (Via Regia) liegt der Kinzig-Stausee, im Bereich der Staumauer nicht gerade eine landschaftliche Schönheit, Steinau selbst ist aber recht hübsch.

Die erste richtige Schönheit ist die Abraumhalde des Salzbergbaus bei Neuhof, in der Gegend um Philipstal gibts noch mehr solcher Salzdauerlutscher. Dagegen sehen die Windräder richtig putzig aus und deren spätere Entsorgung ist auch geklärt.

Hinter Neuhof wird der R3 mit einem Kilometer Umweg übern Berg geführt; der Sinn nicht so richtig erkennbar, außer den Radweg entlang der Landstraße zu vermeiden. Der ist aber passabel zu fahren, vielleicht will man ja den Ausblick auf den Kaliberg von Osten spendieren.

Weiter auf Nebenstraßen nach Fulda, an einer Engstelle mit Schutzstreifen und Dauergrün für Radfahrer!

Ab Fulda gehts auf dem R1/Fuldaradweg weiter, Fulda selbst hab ich rechts liegen lassen.

Die Mittagspause wollte ich um 2 Uhr machen, ist doch viertel vor drei geworden. Der Riesenbärenklau ist im Fuldatal weit verbreitet. Das Fuldatal ist ganz schön zu fahren, nicht so überlaufen wie andere Flusstäler; klar, der Bach ist auch deutlich kleiner.

Ab Schlitz gehts ein Stück auf der ehemaligen Trasse der Bahn von Schlitz nach Niederjossa; der Weg ist zwar relativ neu asfaltiert, es gibt aber trotzdem schon einige unangenehme Wurzelanhebungen. In Niederjossa und Niederaula zweigten früher mal Bahnstrecken zum Vogelsberg ab, heute zum Teil Bahntrassenradwege, wäre mal ein eigener Besuch wert.

Für was zum übernachten zu suchen wars noch zu früh, weshalb ich weiter gefahren bin. Aber das Hotel in Niederaula hatte kein Zimmer mehr frei, das Fünfbettzimmer wollte sie mir nicht zu einem annehmbaren Preis geben, vielleicht hat sie auf spätere Gäste spekuliert. In der Gegend gibts weiter nix und so hab ich von einer Bank an der Straße aus in der JH in Bad Hersfeld angerufen, die auch tatsächlich noch ein Zimmer für mich frei hatten. Ein Vierbettzimmer für mich alleine, mit Dusche und WC und mit Einzelzimmerzuschlag nicht teuerer als das vollbelegte Viererzimmer in Freiburg im März. Und das Frühstück war auch besser. So ist es halt in der (osthessischen) Provinz, da bekommt man auch für weniger Geld brauchbare Leistung. Und aus den geplanten 90 km sind 120 geworden, von den letzten 10 km hab ich nicht mehr viel mitbekommen.

In und um Bad Hersfeld hat mans mit den beiden Konrads, Zuse und Duden, letzterer konnte sich hier im Forum aber auch nicht durchsetzen.

An der Fuldabrücke in Bad Hersfeld ist der R1 entlang der B27 links der Fulda ausgeschildert, mein Plan war rechts der Fulda zu fahren, der Weg ist nach Philipstal ausgeschildert. Den sollte man auch nehmen, der führt zum Teil durch den Wald und entlang der Bundesstraße auf einem schmalen Radweg im morgendlichen Berufsverkehr ist sowieso ätzend. Bei der ehemaligen Eisenbahnbrücke über die Fulda treffen sich die beiden Wege und führen auf der Bahntrasse 1 km ins Solztal, der R1 zweigt dann wieder ins Fuldatal ab.

Moderner Gütervekehr auf der Schiene, nur noch Ganzzüge, aber nicht von der Post. Die fährt wieder mit der PS-Kutsche. Wenn man bedenkt, dass zu Zeiten der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Bundespost letztere der größte Einzelkunde der ersteren war …

Und dann Bebra. Ehemalige Eisenbahnerstadt, jetzt Autofahrerstadt wie überall in der Provinz.

Aus Radfahrersicht: Es ist so hässlich, es ist so hässlich, es ist der Hass. Für alle, die für Eisenbahn nichts übrig haben, solls ja geben, dem R1 folgend auf der anderen Fuldaseite an Bebra vorbei und lieber in Rotenburg, 4 km weiter, verweilen.

Ab und zu ein Stück alte Alleebäume, die nicht Opfer des ADAC wurden, oft ehemals größere Bahnhöfe nur noch Haltepunkte.

Und immer wieder die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg.

Seilfähre über die Fulda, extra für den Radweg, um ihn nicht auf der schmalen Landstraße am Steilhang der Fulda führen zu müssen. Ich musste alleine kurbeln.

Eine weitere, ehemals aus militärstrategischen Gründen gebaute Bahnline bei Malsfeld, heute Draisinenbetrieb.

Kaffeepause in Melsungen, hübsche Fachwerkaltstadt. Überhaupt, die osthessischen Fachwerkstädte im Fuldatal erscheinen mir schöner als z.B. Dieburg. Ein guter Eiskaffee für 3,90! Da bezahlt man am Main für geringere Qualität erheblich mehr.

Von hier aus hab ich sicherheitshalber in der JH Kassel was reserviert, war auch besser so, denn auf dem weiteren Weg bis Kassel ist mir nichts mehr an Unterkunft aufgefallen. Und in Kassel war es dann unerwarteterweise so eine Art Lehrerzimmer mit normalem Bett und richtigem Badezimmer, zwar mit einem relativ kräftigen Aufschlag, aber immer noch kaum teurer als in Freiburg. So wurde es denn eine Zweitagestour.

Der R1 wird ab Guntershausen als schnelle Radverkehrsverbindung nach Kassel gut genutzt und ist tatsächlich schön zu fahren.

Und hier die Beschreibung im Radreise-Wiki.